
Zwei Bereichsleiter, ein Konflikt und ein Kaffee
Vor Jahren habe ich zwei Bereichsleiter erlebt, die nur noch per E-Mail miteinander kommunizierten. Kein Anruf, kein Gespräch. Jeder der beiden war überzeugt: Der andere zeigt zu wenig Respekt und zu wenig Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Fachlich lagen sie nah beieinander
Das Erstaunliche: Ein fachliches Problem gab es nur scheinbar. Tatsächlich lagen beide in der Sache durchaus nah beieinander.
Der Unterschied lag in der Aufgabe. Der eine wollte Geschäft machen. Der andere wollte Risiken minimieren. Ein Klassiker in Unternehmen.
Was kam hier zusammen?
Beide steckten so tief in ihrer eigenen Perspektive, dass sie das gemeinsame Ziel des Unternehmens aus dem Blick verloren hatten. Sie waren mehr damit beschäftigt, den anderen als Ursache des Problems zu sehen. Es ging deutlich mehr um Verhalten und zu wenig um die Sache.
Jetzt wurden Bearbeitungsfristen wichtiger als Lösungen. Das Resultat: Sie verstanden sich menschlich nicht mehr. Das hat den Konflikt immer weiter befeuert.
Der typische Fehler: es fachlich lösen wollen
In solchen Situationen passiert fast immer dasselbe. Jeder versucht, den Konflikt fachlich oder ablauftechnisch zu lösen. »Bitte halten Sie die gängigen Fristen ein.« »Begründen Sie Ihre Einschätzung.« »Hab ich doch.« »Nein, haben Sie nicht.« Noch eine E-Mail mit noch mehr direkten oder indirekten Spitzen. Argumente werden kaum noch wahrgenommen, selbst wenn sie vorhanden sind. So war es auch hier: Die Distanz zwischen beiden war zwar gesittet, dennoch war sie da.
Auf der Sachebene war da kein Durchkommen mehr. Wer einmal davon überzeugt ist, dass der andere kaum Respekt zeigt, liest auch Argumente so, als wären sie ein Angriff. Was hier fehlte, war eine funktionierende zwischenmenschliche Ebene.
Was geholfen hat: ein Kaffee
Beide haben mir erklärt, wie sie das Verhalten und Vorgehen des anderen erleben. Danach habe ich ihnen etwas vorgeschlagen, das banal klang: zusammen einen Kaffee trinken und dabei nicht über die Arbeit sprechen.
Es war das Letzte, was die beiden wollten. Es hat Wochen gedauert, bis sie diesen Schritt gegangen sind.
Dann haben sie sich die Zeit genommen und sich wirklich kennengelernt. Beide begriffen, was dem anderen wichtig ist und welche schlechten Erfahrungen jeder schon gemacht hatte.
Danach funktionierte die fachliche Zusammenarbeit problemlos. Auch dann, wenn sie gegensätzlicher Auffassung waren.
Was du daraus mitnehmen kannst
Zusammenarbeit auf Führungsebene entsteht erst, wenn sich zwei Menschen begegnen und nicht bloß zwei Funktionsträger.
Steckst du gerade mit jemandem auf deiner Ebene fest? Dann prüfe eine Frage: Weißt du, was dieser Person wirklich wichtig ist?
Wenn nicht, hilft kein weiteres Argument. Dann hilft ein Kaffee. Ohne Tagesordnung.

