Führungskräfte Blog von Cornelia Schmitz



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Trennungsgespräche führen: Warum sie so schwer sind und wie sie gelingen

Ich habe früher gedacht, mit der Zeit werden Führungsgespräche leichter. Bei den meisten stimmt das auch. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Das Trennungsgespräch.

Mein erstes durfte ich vor gut 25 Jahren führen. Ohne Routine, ohne Erfahrung. Im Rückblick hätte ich einiges falsch gemacht, einfach weil ich es nicht besser wusste. Erst die professionelle Vorbereitung hat mir gezeigt, wie es wirklich geht.

Seitdem weiß ich: Trennungsgespräche sind eine Extraklasse. Selbst erfahrene, routinierte Führungskräfte und Personalverantwortliche können sie nicht einfach aus dem Stegreif heraus führen.

Dieser Beitrag fasst zusammen, was aus meiner Erfahrung und aus der Forschung wirklich hilft, wenn Sie ein Trennungsgespräch vorbereiten oder führen müssen, ganz gleich ob es um Stellenabbau, eine verhaltensbedingte Kündigung oder eine Änderungskündigung geht.

Warum Trennungsgespräche so schwer sind

Drei Gründe wiederholen sich, unabhängig von Branche oder Erfahrung:

① Sie führen dieses Gespräch selten. Ihr Team leiten Sie jeden Tag. Doch eine Kündigung aussprechen, das übt niemand regelmäßig.

② Sie sind nie nur Führungskraft in diesem Moment. Sie sind auch Mensch und merken die eigene Betroffenheit, auch wenn Sie es nicht zeigen.

③ Es gibt kein Patentrezept. Jede Fall, jeder Mensch und die jeweiligen Umstände sind anders.

Was daraus folgt: Trennungsgespräche werden nicht leichter, weil man sie oft führt. Sie werden besser, weil man sich auf jedes einzelne neu vorbereitet.

Wer alles betroffen ist

Bei einer Trennung sind nie nur zwei Menschen betroffen. Kolleginnen und Kollegen, das restliche Team, teils ganze Abteilungen reagieren mit, auch wenn sie selbst nicht gekündigt werden. Wie genau, dazu später mehr im Abschnitt über die Verbleibenden.

Die häufigsten Fehler

In der Praxis wiederholen sich einige Muster: das Gespräch wird ohne komplette Vorbereitung durchgeführt. Das Wort Kündigung fällt nicht in den ersten 5 Sätzen oder die nächsten Schritte nach dem Trennungsgespräch sind nicht klar. Die Begründung wird überfrachtet, aus dem Wunsch heraus, sich zu rechtfertigen, was das Gespräch eher verlängert als erleichtert. Das Gespräch wird ganz an die Personalabteilung delegiert, obwohl die direkte Führungskraft es persönlich führen sollte. Das Gespräch dauert zu lange bzw. es wird kein Folgegespräch vereinbart. Der Versuch, alles in ein Gespräch zu packen, kann nicht funktioniert, weil Betroffene nach einer Trennungsbotschaft nicht mehr wirklich aufnahmebereit sind.

Die emotionale Kurve nach einem Jobverlust

Wer eine Kündigung erhält, durchläuft typischerweise eine erkennbare Kurve: Schock, Distanzierung, eine Phase destruktiver Akzeptanz auf dem Tiefpunkt von Selbstwert- und Mastergefühl, danach konstruktive Akzeptanz, Orientierung und schließlich neue Aktivität.

Ohne Akzeptanz kein Neuanfang.

Die Qualität der Trennungsbotschaft kann nicht verhindern, dass Betroffene die Kurve durchlaufen. Sie entscheidet allerdings, wie lange diese Kurve andauert.

Für Führungskräfte heißt das: Wie ein Trennungsgespräch geführt wird, beeinflusst nicht nur den Ablauf des Gesprächs, sondern auch wie schnell die betroffene Person wieder handlungsfähig wird.

Die ersten Sätze entscheiden

Die Botschaft entscheidet sich in den ersten Sätzen, nicht danach. Ich-Form statt Passiv-Konstruktionen, klare Worte statt Weichspüler-Sprache. Ein Gespräch, das mit Ausweichen beginnt, verunsichert mehr, als es schont.

Betroffene reagieren unterschiedlich

In der Praxis lassen sich vier wiederkehrende Reaktionstypen beobachten, die Sie als Führungskraft kennen sollten:

Der oder die Beherrschte wirkt gefasst, sagt wenig. Das Gespräch scheint reibungslos zu verlaufen. Hier entsteht schnell das Gefühl »Das ist ja noch mal gut gegangen«, »Das war ja leichter als ich dachte.« Und das kann eine Fehldeutung sein: Fassung ist nicht dasselbe wie Verarbeitung. Achten Sie bewusst darauf, dass die Trennungsbotschaft verstanden wurde.

Der oder die Aufbrausende reagiert mit Widerspruch oder Ärger. Vorwürfe oder Provokationen können da schnell verunsichern. Wichtig ist, nicht in Rechtfertigung zu verfallen, sondern ruhig, klar und wiederholt bei der Sache zu bleiben.

Der oder die Schockierte wirkt manchmal abwesend, kann Informationen kaum aufnehmen. Von Tränen bis stummes Dasitzen ist alles möglich. Hier hilft, Wesentliches zu wiederholen und zu bestätigen, dass der Schock eine angemessene Reaktion ist. Weitere Details lassen sich oft erst in einem Folgetermin besprechen und, je nach dem wie heftig die Schockreaktion ist, sollten Sie über ein professionelles Auffanggespräch nachdenken.

Der oder die Konstruktive stellt schnell Sachfragen und möchte sogar über Details verhandeln. Auch hier ist kurzes innezuhalten empfohlen, damit Sie nicht aus Unsicherheit heraus oder auf der Basis unvollständiger Informationen, Zusagen oder Versprechungen machen.

Kommunikationsregeln: was vermeiden, was verwenden

Geben Sie keine guten Ratschläge, Empfehlungen oder Tipps - Sie haben eine andere Rolle.
Tadel, Kritik, Lob oder Pseudolob sind tabu in einem Trennungsgespräch.
Vermeiden Sie negierende oder forcierende Formulierung. Worte wie 'müssen' oder 'dürfen nicht' verengen die Wahrnehmung und lösen leicht inneren Widerstand aus. Lassen Sie Stille zu, das gibt Betroffenen die Möglichkeit das Gehörte zu verarbeiten und 'zu atmen'. Achten Sie auf eine respektvolle Tonalität und formulieren sie bewusst konstruktiv. Fragen wie 'Möchten Sie ...' oder 'Wollen Sie zunächst ...' geben den Betroffenen in dieser Lage noch ein wenig 'Wahlfreiheit'.

Die Verbleibenden werden oft vergessen

Nach einer Kündigung endet die Führungsarbeit nicht, sie beginnt eigentlich erst. Mehrere aktuelle Studien zeigen, wie stark ein Stellenabbau auch die verbleibende Belegschaft trifft:

Eine Befragung von Leadership IQ unter 4.172 Beschäftigten aus 318 Unternehmen mit kürzlichem Stellenabbau ergab: 87 % würden ihren Arbeitgeber nicht mehr weiterempfehlen, 81 % sehen den Kundenservice verschlechtert, 77 % nehmen mehr Fehler in der täglichen Arbeit wahr, 74 % berichten von gesunkener eigener Produktivität. Bemerkenswert: Bei gut sichtbarer, ansprechbarer Führung berichteten 72 % seltener von einem eigenen Produktivitätsrückgang, ein deutliches Argument für aktive Führung in dieser Phase.

Eine Auswertung der Harvard Business Review (2024) von 146 Unternehmen mit Stellenabbau zwischen 2020 und 2022 zeigte: Das Vertrauen ins Unternehmen sank im Schnitt um 16,9 Prozentpunkte, der Glaube an die eigene Karriere um 12,1 Punkte, das Vertrauen in die Führung um 10,5 Punkte. Die Erholung dauert 12 bis 24 Monate.

Culture Amp (2024) bestätigte das mit einer größeren Stichprobe: Die Erholungsdauer des Engagements hat sich von 12 bis 18 Monaten (2023) auf 18 bis 24 Monate verlängert. Besonders betroffen sind Stolz, Bindung ans Unternehmen und die Wahrnehmung der Führungskraft..

Zählt eigentlich der Kündigungsgrund?

Eine berechtigte Frage: Gilt das auch, wenn es nicht um Stellenabbau geht, sondern um einzelne Kündigungen? Mir sind keine vergleichbaren Prozentstatistiken wie zu Massenentlassungen bekannt. Es gibt aber eine einschlägige Forschungsrichtung, die genau diese Frage seit Jahren untersucht: die sogenannte Vicarious-Justice-Forschung.

Skarlicki und Kulik (2005) untersuchten, wie Kolleginnen und Kollegen reagieren, wenn sie miterleben, dass jemand anderes gekündigt oder diszipliniert wird. Ihr Kernbefund: Die Fairness-Bewertung hängt kaum vom Kündigungsgrund ab, sondern davon, ob die Person mit Respekt, Würde und einer nachvollziehbaren Begründung behandelt wurde. Diese Wahrnehmung beeinflusst direkt Vertrauen und Kooperationsbereitschaft der Verbleibenden gegenüber der Führung.

Die einflussreichste Meta-Analyse der Organizational-Justice-Forschung, Colquitt und Kolleg:innen (2001), wertete 190 Einzelstudien mit 64.757 Teilnehmenden aus und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Interaktionale Gerechtigkeit, wie respektvoll und nachvollziehbar eine Entscheidung kommuniziert wird, hängt eng mit Vertrauen und Commitment zusammen, unabhängig vom eigentlichen Grund.

Die ehrliche Zusammenfassung: Nicht der Kündigungsgrund entscheidet über das Vertrauen der Verbleibenden, sondern die Art der Durchführung.

Führung danach: Beziehungs- und Veränderungsmanagement

Nach einer Trennung ist aktives Beziehungsmanagement gefragt. Reden statt E-Mails schreiben. Das bedeutet: das Gespräch mit dem Team suchen statt es zu meiden, Fragen zulassen statt sie abzuwürgen, und die eigene Erreichbarkeit in den Wochen danach bewusst erhöhen statt zu reduzieren.

Fazit

Trennungsgespräche sind Führungsarbeit, bei der es auf Sorgfalt und Kultur im Umgang mit Menschen ankommt. Wer sich auf jedes einzelne neu vorbereitet, die emotionale Lage der betroffenen Person versteht und danach aktiv Beziehungsarbeit leistet, übernimmt nicht nur Verantwortung für Mensch und Situation, sondern sichert auch das Vertrauen des ganzen Teams. Am Ende reicht der Einfluss bis hin zur Produktivität und dem Image des Unternehmens.

Wenn Sie tiefer einsteigen möchten: In meiner Schulung "Trennungsgespräche – Kultur im Umgang mit Menschen" arbeiten wir diese Themen praxisnah durch, mit konkreten Gesprächssituationen statt abstrakter Theorie. Melden Sie sich gerne unter hallo@cornelia-schmitz.de.

Quellen

Leadership IQ: "Don't Expect Layoff Survivors to be Grateful", 2020.

Harvard Business Review: "Research: The Long-Term Costs of Layoffs", Oktober 2024.

Culture Amp: "Company layoffs: Dispelling 4 common myths", aktualisiert März 2024.

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